Scheinbar hilflose junge Wildtiere: Wo gibt es Hilfe?

Zu dieser Jahreszeit kann es vorkommen, dass man in unseren Wäldern oder in waldnahen Wohngebieten junge Wildtiere sieht – mutterseelenallein und scheinbar hilflos. Niedlich, wie sie sind, möchte man sie am liebsten sofort mitnehmen … doch um zu entscheiden, was zu tun und was für das Tier das Beste ist, muss man die Situation erstmal richtig einschätzen. Braucht das Tier wirklich Hilfe? Oder lässt man es besser einfach in Ruhe? Im Zweifelsfall (also nur, wenn es keine sichtbaren Verletzungen hat oder nicht damit zu rechnen ist, dass es welche erleiden wird) setzt man sich am besten mit einer Auffangstation für Wildtiere in Verbindung und lässt sich beraten – und zwar bevor man zur „Rettung“ schreitet. Denn das Tier einzusammeln und mit nach Hause zu nehmen, kann genau die falsche Entscheidung sein.

Nicht jedes Jungtier, dass allein aufgefunden wird, befindet sich in einer Notsituation – Füchse oder Marder beispielsweise verlassen auch dann, wenn sie noch von der Mutter abhängig sind, den Bau und erkunden ganz einfach die nähere Umgebung. Wenn man sie in Ruhe lässt und sie nicht in eine gefährliche Situation geraten oder dabei verletzt werden, kehren sie in ihren Bau zurück und alles geht seinen normalen Gang. Ein Eingreifen ist nicht nur nicht nötig, sondern sogar kontraproduktiv.

Bei Verletzungen aber, oder wenn eine für das herumwandernde Jungtier riskante Situation entsteht, aus der es ohne Weiteres nicht allein herauskommt, ist ein Eingreifen sinnvoll. Aber auch dann sollte man sich unbedingt fachmännischen Rat holen, um bei Ernährung, gegebenenfalls Aufzucht und Wiederauswilderung keine Fehler zu machen.

Erste Anlaufstellen können natürlich die Tierheime sein. Doch diese werden aller Wahrscheinlichkeit nach bei Wildtieren an spezialisierte Vereine oder Auffangstationen verweisen, die sich mit der jeweiligen Tierart wirklich gut auskennen.  Aber immerhin: Die Tierheime kennen diese Organisationen gut und können gleich Kontaktdaten weitergeben, ohne dass man selbst erst danach suchen muss.

Ich zum Beispiel wusste nicht, dass es in Oberberg ein Frettchentierheim gibt, und dass man sich am Besten dorthin wendet, wenn man (wie wir gestern) einen jungen Marder aufgelesen hat. Das Tierheim Koppelweide aber wusste es. Leider kann aber das Frettchentierheim im Moment selbst keine Tiere mehr aufnehmen, sondern nur noch beraten. Nicht anders sieht es aus beim Retscheider Hof in Bad Honnef, an den mich die freundliche Dame vom Frettchenverein in der Hoffnung verwies, dass es dort noch einen freien Platz für unseren Marderwelpen gibt … Doch auch hier: Fehlanzeige. Die Auffangstation platzt im Moment aus allen Nähten; auch in diesem Jahr, sagte man mir dort, gibt es wieder viel zu viele hilfsbedürftige Fuchs- und Marderwelpen, die versorgt werden müssen. Aber auch hier half man uns weiter, und beim nächstgenannten Kontakt hatten wir Glück: Wir durften unseren Marder am nächsten Tag dorthin bringen.

Wie wir ihn bis dahin am Besten versorgen, war uns inzwischen auch erklärt worden. Dafür haben wir den kleinen Kerl gewogen und fotografiert und alles per E-Mail an die Fachleute geschickt. Die konnten so in etwa abschätzen, wie alt er ist und ob er noch Flüssignahrung (Muttermilchersatz für Katzen) oder schon feste Nahrung (Hundefutter ohne Getreide) haben soll, solange er bei uns ist.

Dass er schon feste Nahrung haben durfte, bedeutet aber noch nicht, dass er auch schon ganz selbstständig leben kann: In der Auffangstation, in die wir ihn dann jetzt schließlich gebracht haben, wird er noch 6-8 Wochen bleiben, bis er ausgewildert wird. Wie gut, dass wir ihn nicht auf eigene Faust wieder ausgesetzt haben: Hätten wir das getan, wäre er wohl verhungert, weil er noch nicht alt genug ist, um selbst zu jagen. Außerdem hätte er ziemlich sicher nicht mehr in seinen Bau zurückgefunden (denn wir wissen nicht, wo der ist, und hätten ihn irgendwo ausgesetzt, wo es uns sicher für ihn erschienen wäre).

Fazit: IMMER die Fachleute fragen beziehungsweise das Tier in die richtigen Hände abgeben. Wenn die nächstgelegenen Auffangstationen voll sind, leiten diese einen gerne weiter an die nächste Stelle. Meine Erfahrung: Dabei sind alle sehr nett und hilfsbereit. Schön, dass es solche Menschen und Organisationen gibt, die viel, viel Zeit, Mühe und Geld opfern, um auch Wildtieren in Not zu helfen. Danke dafür! Ihr seid super!

Telefonnummern:
Tierheim Koppelweide: 0226970197
Tierheim Wipperfürth:
02267-3770
Menschen für Tiere Nümbrecht: 022933543
Frettchenfreunde Oberberg/Frettchentierheim:
02263-6965

Im Internet kann speziell bei Mardern das Marderhilfsnetz mit Forum und wichtigen Hinweisen zu Aufzucht und Auswilderung helfen. Für Wildtiere allgemein gibt es Informationen beim Wildtierschutz Deutschland e.V.  

Unseren kleinen Steinmarderwelpen hier haben wir unter einer Hecke vor dem Haus eingesammelt. Dort versteckte er sich vor vorbeifahrenden Autos auf der einen Seite und vier oder fünf wütenden Elstern auf der anderen. Die griffen ihn immer wieder an und hackten nach ihm, sobald er sich zeigte. Wahrscheinlich wäre er den Vögeln zum Opfer gefallen, denn sie waren sehr hartnäckig – und haben selbst eine Stunde, nachdem wir ihn unter der Hecke hervorgeholt und hereingebracht hatten, noch an dieser Stelle nach ihm gesucht. Sie gingen regelrecht Patrouille!

Marty

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